Globale IBOR-Reformen

Update für alle Investoren

Auf internationaler Ebene wurde eine Initiative zur Reform der Interbankensätze („IBOR“) und Entwicklung robusterer alternativer Referenzzinsätze („ARR“) ergriffen. Anlass dafür waren die öffentlich bekannt gewordenen Versuche von Händlern prominenter Investmentbanken, einzelne Interbankensätze zu manipulieren. IBOR sind deshalb von Bedeutung, weil sie oft von zahlreichen Fonds als Benchmark oder Renditezielvorgabe verwendet werden oder weil sie als Basiswert für verschiedene Finanzinstrumente und -produkte dienen. IBOR können auch bei vertraglichen Vereinbarungen außerhalb des Finanzbereichs eine Rolle spielen.

Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt haben mit Marktteilnehmern, einschließlich Banken und Vermögensverwaltern, Gespräche geführt, um zu überlegen, wie der Übergang zu neuen alternativen risikofreien Zinssätzen („ARR“) am besten erfolgen kann. Legal & General nahm an mehreren von der Bank of England geführten Arbeitsgruppen teil, um diesen Übergang am britischen Finanzmarkt in allen Belangen zu unterstützen.

Die Ablösung der IBOR stellt die gesamte Finanzbranche, vor allem aber die Banken, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister, vor große Herausforderungen. Die Schätzungen der Beträge der IBOR-basierten Geschäfte im Bank- und Finanzsektor gehen zwar auseinander, deuten aber alle auf ein globales Engagement von mehreren Hundert Billionen hin. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, müssen daher alle Marktteilnehmer einen erheblichen Arbeitsbeitrag leisten.

Wann soll die Ablösung erfolgen?

Die IBOR werden voraussichtlich im Laufe von 2021 eingestellt. Die genauen Daten sind von den Entscheidungen der einzelnen zuständigen Aufsichtsbehörden bzw. IBOR-Administratoren abhängig.

Was die London Interbank Offered Rate („LIBOR“) anbelangt, sind die Banken ab Dezember 2021 nicht mehr verpflichtet, Kurse zu stellen, anhand derer der Zinssatz festgelegt wird. Somit wird der LIBOR effektiv eingestellt. Infolgedessen hat sich die weltweite Handelstätigkeit erheblich verändert und es herrscht eine rege Aktivität im Hinblick auf den Wechsel zu alternativen risikofreien Zinssätzen, die auch 2021 weiter anhalten dürfte.

Dieser vom Markt gesteuerte Übergang hängt stark von den fortschreitenden Bemühungen der Marktteilnehmer ab, die von zahlreichen Branchenvereinigungen unterstützt werden. Bei LGIM verfolgen wir diese Entwicklung genau und ergreifen angemessene Maßnahmen, die wir im Interesse unserer Kunden für angebracht erachten. Großbritannien hat weltweit die Führungsrolle im Ablösungsprozess übernommen. Als Ersatz für den LIBOR stieß der alternative risikofreie Zinssatz SONIA auf allgemeine Zustimmung; dieser wird im Derivategeschäft bereits häufig verwendet und auch am Kassa- und Darlehensmarkt hat die Ablösung angefangen.

Inwiefern sind Ihre Anlagen bei uns betroffen?

Wir haben bedeutende Fortschritte bei der Identifizierung und Behandlung des Investitionsrisikos unserer Kunden in Bezug auf die IBOR gemacht und verfügen über eine etablierte Governance-Struktur rund um unsere Übergangsaktivitäten. Wir arbeiten auch partnerschaftlich mit unserer Muttergesellschaft Legal & General Group PLC zusammen, die eine gründliche und starke Governance mit einer zentralen Koordinationsaufsicht eingerichtet hat, die durch die Bereitstellung von Leistungen auf Divisionsebene unterstützt wird.

Dies ermöglicht es uns, von den gegenseitigen fachlichen Kompetenzen im Projektmanagement und den juristischen Fachkenntnissen zu profitieren und einen effizienten und kontrollierten Übergang vor dem Ablösungszeitpunkt im Dezember 2021 zu gewährleisten.

Welche Risiken bestehen für Anlagen mit LIBOR-Bezug?

Die FCA hat wiederholt darauf hingewiesen, dass sich die Marktteilnehmer nach 2021 nicht mehr auf den LIBOR stützen sollten. Im Rahmen der Ablösung gilt es, (i) eine Reihe neuer Produkte bereitzustellen und (ii) bestehende Produkte mit IBOR-Bezug zu ändern. Zudem betrifft die Ablösung Produkte in mehreren Ländern, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu verschiedenen alternativen Referenzsätzen wechseln. Daraus entstehen Risiken im Zusammenhang mit:

Daraus entstehen Risiken im Zusammenhang mit:

  1. der Übertragung des ökonomischen Werts beim Übergang von IBOR zu ARR
  2. operativen Prozessänderungen
  3. der Änderung rechtlicher Vereinbarungen
  4. Liquiditätsrisiken bei der Kündigung von IBOR-Instrumenten und deren Ersetzung durch alternative ARR-Instrumente

Alle diese Risiken werden von LGIM genau überwacht.

Update Januar 2021

Trotz der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie wurde die Initiative zur Ablösung der IBOR auf bestimmte Währungen am Markt weiter vorangetrieben und die derzeitige Frist für die Aufhebung des GBP-LIBOR am 31. Dezember 2021 beibehalten. Die britische Aufsichtsbehörde FCA veranstaltete zusammen mit der Bank of England mehrere Rundtischgespräche und veröffentlichte zusätzliche Leitlinien, um sicherzustellen, dass die Marktteilnehmer gezielt auf dieses Stichdatum hinarbeiten.

Transition from LIBOR | FCA

Akteure und Organisationen an den Finanzmärkten haben schrittweise Vorkehrungen getroffen, damit die Folgen der Ablösung der IBOR durch ARR so gering wie möglich ausfallen. Eine dieser Vorkehrungen ist die Veröffentlichung des ISDA 2020 IBOR Fallbacks Protocol („IBOR-Rückfallprotokoll“) der International Swaps and Derivatives Association („ISDA“), welches den Marktteilnehmern zur Aufnahme in ihre bestehenden Tradingdokumente empfohlen wurde.

Was ist das IBOR-Rückfallprotokoll der ISDA?

Die ISDA ist eine Organisation, die Marktstandards festlegt und den Handel mit Finanzderivaten erleichtert, die in der Regel unter standardisierten ISDA-Rahmenverträgen gehandelt werden. Im Handel mit solchen Instrumenten gelangen oft IBOR-Referenzsätze zur Anwendung. Neben ihrer primären Aufgabe, als globales Forum für Derivategeschäfte zu fungieren, hat die ISDA angesichts ihrer globalen Reichweite und ihres Einflusses auf die Finanzmärkte aus bestimmten Anlässen branchenweite Protokolle mit einem über Derivate hinausgehenden Anwendungsbereich und ISDA-eigene Rahmenverträge erstellt. So veröffentlichte sie im Oktober 2020 ihr IBOR-Rückfallprotokoll mit dem Ziel, die Bedingungen einer Vielzahl von Standard-Rahmenverträgen, wie z. B. ISDA Master Agreements, Global Master Repurchase Agreements, Global Master Securities Lending Agreements und International Foreign Exchange Master Agreements zu ändern, um sicherzustellen, dass beim dauerhaften Wegfall eines IBOR oder wenn ein IBOR als nicht mehr repräsentativ erachtet wird, ein alternativer Referenzsatz vorhanden ist, um die Fortführung des entsprechenden IBOR-gebundenen Geschäfts und/oder der Geschäftsklauseln sicherzustellen.

Die alternativen Referenzsätze wurden mittels einer Marktumfrage festgelegt und werden als ARR in der gewählten Währung zuzüglich eines Spreads veröffentlicht, um die bei Ablösung des betreffenden IBOR entstehenden Wertschwankungen möglichst gering zu halten.

Weitere Informationen zum Rückfallprotokoll und seinem erweiterten Anwendungsbereich finden Sie hier: ISDA 2020 IBOR Fallbacks Protocol – International Swaps and Derivatives Association

LGIM hat in ihrer Funktion als Beauftragte das Protokoll übernommen und ist dabei, auch alle ihre Kunden, die dem zugestimmt haben, auf die neuen Dokumente umzustellen.

Die FCA hat neue regulatorische Maßnahmen angekündigt, die bei nicht-anpassbaren Verträgen, bei denen es nicht möglich ist, eine bestehende IBOR-Bindung zu migrieren (sogenannten „Tough Legacy“-Verträgen), greifen sollen. Die Aufsichtsbehörde ist der Ansicht, dass im Interesse der Konsumenten solche Positionen auch nach der Aufhebung eines IBOR gegebenenfalls aufrechterhalten werden müssen.

Auch in Übersee schreiten die Vorbereitungen auf die Umstellung voran und die amerikanische Arbeitsgruppe ARRC hat ähnliche Schritte zur Ablösung des USD-LIBOR durch den alternativen Referenzzinssatz SOFR (Secured Overnight Financing Rate) unternommen. Dies ist eine sehr positive Entwicklung für die weltweiten Anstrengungen zur IBOR-Ablösung und wird gewährleisten, dass der Markt in der Lage sein wird, seine Verpflichtungen voll und ganz zu erfüllen.

ARRC_Press_Release_Guide_Endgame_USD_LIBOR.pdf (newyorkfed.org)

LGIM wird die für die Umstellung erforderlichen Schritte und die sich daraus ergebenden Risiken genau überwachen und im Namen von L&G und unseren Kunden eng mit der FCA und der PRA zusammenarbeiten. Wir freuen uns, bestätigen zu können, dass die Covid-19-Pandemie unsere Arbeit nicht beeinträchtigt hat und unser Umstellungsprogramm planmäßig voranschreitet.

Was müssen Sie tun?

Sie brauchen bezüglich Ihrer Anlagen bei LGIM nichts zu unternehmen.. Wir werden Sie bei Bedarf hinsichtlich Ihrer Anlagen kontaktieren und bitten Sie daher, darauf zu achten, ob Sie von uns diesbezügliche Mitteilungen erhalten. Sollte die IBOR-Ablösung Sie auf andere Weise betreffen, bitten wir Sie, sich angemessen juristisch beraten zu lassen. Natürlich können Sie auch jederzeit lhren üblichen LGIM- Ansprechpartner kontaktieren, wenn Sie ausführlichere Erläuterungen zu diesen regulatorischen Veränderungen und ihren möglichen Auswirkungen auf Ihre Anlagen wünschen.

Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.bankofengland.co.uk/markets/transition-to-sterling-risk-free-rates-from-libor (Link auf eine externe Website)

Was sind IBOR?

IBOR (Inter Bank Offered Rates) sind Referenzzinssätze, zu denen sich führende Banken untereinander Geld leihen. Sie dienen als zukunftsbezogene Referenzzinssätze für unbesicherte Tagesgeldaufnahmen bis zu zwölf Monaten.

Die IBOR dienen zudem als Referenzzinssätze für Finanzderivate auf Basiswerte in Höhe von mehreren hundert Billionen US-Dollar, wie z. B. Zinsswaps, sowie für Anleihen, Darlehen, Hypotheken, Verbriefungen und Einlagen von institutionellen Anlegern, Privat- und Firmenkunden in Billionenhöhe.

IBOR gibt es in verschiedenen Währungen. Der GBP-LIBOR ist beispielsweise der Zinssatz, zu dem sich britische Banken untereinander GBP-Beträge leihen, und der USD-LIBOR ist der Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander USD-Beträge leihen.

Was sind die Alternativen zu IBOR?

In den verschiedenen Ländern, die IBOR bereitstellen, werden nun alternative risikofreie Referenzzinssätze („ARR“) entwickelt. In Großbritannien empfiehlt die Bank of England den überarbeiteten SONIA (Sterling Over Night Index Average) als nahezu risikofreien GBP-Referenzzinssatz und unterstützt dessen Verwendung als Alternative zum GBP-LIBOR.

Die alternativen Referenzsätze gelten als repräsentativer und robuster. Zu den Manipulationsskandalen kam hinzu, dass die Anzahl der Geschäfte, die den IBOR-Sätzen zugrunde liegen, rückläufig ist; infolge der durch die Finanzkrise ausgelösten Reformen ziehen die Banken heute oft die besicherte Geldleihe in Form von Einlagen, Pensionsgeschäften und Anleihen vor. Daher sind die IBOR nicht mehr repräsentativ für die Märkte, die sie abbilden sollen.

Welche Rolle spielt LGIM bei der IBOR-Ablösung?

LGIM befasst sich zusammen mit ihrer Muttergesellschaft Legal & General schon seit 2017 auf verschiedenen Ebenen an der Seite der Bank of England und anderer führender Branchenverbände wie die Investment Association mit dem Übergang zu alternativen risikofreien Zinssätzen am britischen Finanzmarkt. Das Mitwirken in solchen Interessensgruppen und der Austausch mit unseren Gegenparteien und Kunden haben es uns ermöglicht, unsere Abkehr von IBOR noch vor dem Stichdatum im Dezember 2021 zu planen.

Globale Auswirkungen

RechtsordnungArbeitsgruppeAlternativer
Referenzsatz-Name
AdministratorBesicherungBeschreibung
USA

Alternative Reference Rates Committee (Link auf eine externe Website)

Secured Overnight Financing Rate (SOFR) (Link auf eine externe Website)

Federal Reserve Bank of New York

Besichert

Gesicherter Zinssatz, der mehrere Overnight-Repo-Marktsegmente abdeckt

GB

Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Sterling (Link auf eine externe Website)

Sterling Overnight Index Average (SONIA) (Link auf eine externe Website)

Bank of England

Unbesichert

Unbesicherter Zinssatz, der Wholesale-Einlagentransaktionen abdeckt

Schweiz

Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken (Link auf eine externe Website)

Swiss Average Rate Overnight (SARON) (Link auf eine externe Website)

SIX Exchange

Besichert

Gesicherter Zinssatz, der die Zinsen widerspiegelt, die auf den Interbanken-Übernacht-Reposatz gezahlt werden

Japan

Studiengruppe für risikofreie Referenzzinssätze (Link auf eine externe Website)

Tokyo Overnight Average Rate (TONAR) (Link auf eine externe Website)

Bank of Japan

Unbesichert

Ungesicherter Zinssatz, der den Markt für Tagesgeldsätze erfasst

Euroraum

Arbeitsgruppe zu risikofreien Referenzzinssätzen für den Euroraum (Link auf eine externe Website)

Euro short-term rate (€STR) (Link auf eine externe Website)

Europäische Zentralbank

Unbesichert

Ungesicherter Zinssatz, der Transaktionen mit Wholesale-Kundeneinlagen über Nacht erfasst

Quelle: FCA